Was ist eine ASN?

Was ist eine ASN?

Wenn Sie schon einmal ein IP-Adress-Tool genutzt oder einen Netzwerkbericht gelesen haben, sind Ihnen vielleicht die Buchstaben „ASN“ begegnet. Dabei kommt schnell die Frage auf: Was genau ist eine ASN und welche Bedeutung hat sie im Zusammenhang mit einer IP-Adresse? Einfach ausgedrückt handelt es sich bei einer ASN um einen wichtigen Baustein im Hintergrund des Internets. In diesem Artikel erklären wir auf verständliche Weise, was eine Autonomous System Number (ASN) ist, und bieten gleichzeitig Einblicke aus der Perspektive von Programmierern und Netzwerksicherheitsexperten.

Netzwerktopologie-Diagramme mit unterschiedlichen Verbindungsstrukturen.

Wichtige Erkenntnisse im Überblick

  • Definition von ASN: ASN steht für Autonomous System Number (Autonome System-Nummer). Es ist ein eindeutiger Identifikationscode, der einem großen Netzwerk im Internet – einem sogenannten Autonomen System (AS) – zugewiesen wird. Man kann sich das wie eine Ausweisnummer für ein gesamtes Netzwerk oder einen Anbieter vorstellen. Beispielsweise werden alle IP-Adressen, die von der Deutschen Telekom verwaltet werden, mit deren ASN verknüpft.
  • Rolle im Internet-Routing: ASNs sind essenziell, um den Datenverkehr im Internet zu steuern. Sie teilen den weltweiten Routern mit, welche Organisation oder welches Netz hinter einem bestimmten Block von IP-Adressen steht, und helfen so beim Auffinden der richtigen Route. Das funktioniert ähnlich wie Vorwahlen oder Postleitzahlen in der Telefonie bzw. Post – ASNs sorgen dafür, dass Datenpakete im Internet den richtigen “Bezirk” erreichen.
  • Netzwerkbetreiber identifizieren: Über die ASN einer IP-Adresse lässt sich oft erkennen, welcher Betreiber oder welches Unternehmen für diese IP zuständig ist. Zum Beispiel würde eine Abfrage ergeben, dass eine bestimmte IP zum ASN 3320 gehört – das ist die ASN der Deutschen Telekom (DTAG). So erfährt man, dass diese IP zum Netz der Telekom gehört. Das liefert kontextuelle Hinweise darauf, wo im Gefüge des Internets die IP angesiedelt ist (z.B. bei einem Privathaushalt, Mobilfunknetz, Datenzentrum usw.).
  • Technischer Indikator mit Grenzen: Eine ASN ist in erster Linie eine technische Information. Sie verrät keine persönlichen Daten eines Nutzers und erlaubt auch keine exakte Ortung – sie zeigt nur, welchem Netzwerk/Anbieter eine IP zugehört. Das Verständnis von ASNs ist nützlich für Netzwerkdiagnosen und Sicherheitsbewertungen (z.B. um einzuschätzen, ob eine IP aus einem Rechenzentrum oder aus einem Heimnetz kommt), aber im alltäglichen Gebrauch des Internets muss man sich darum normalerweise keine Gedanken machen.

Was ist ein Autonomes System (AS)?

Um ASNs zu verstehen, schauen wir uns zunächst den Begriff Autonomes System (AS) an. Ein Autonomes System ist ein Verbund von Netzwerkadressbereichen (IP-Präfixen), die unter der Kontrolle einer einzelnen Institution stehen und eine gemeinsame Routing-Strategie verfolgen. Einfacher gesagt: Es ist ein großes Netzwerk oder eine Gruppe von Netzwerken, die von einem Internetanbieter, Unternehmen oder einer Organisation einheitlich verwaltet werden.

Zum Beispiel betreibt Ihr Internetanbieter zuhause (sei es Vodafone, Telekom, 1&1 etc.) ein Autonomes System. Alle IP-Adressen, die Ihnen dieser Anbieter zuteilt, gehören zu seinem Netzwerk und folgen den Routing-Regeln dieses Netzwerks. Genauso betreiben große Unternehmen wie Google oder Amazon eigene Autonome Systeme für ihre weltweiten Dienste. Selbst Universitäten oder große Forschungseinrichtungen können Autonome Systeme besitzen, wenn sie ihr Netzwerk eigenständig verwalten.

Man kann sich das so vorstellen: Das Internet ist ein Netz aus vielen eigenständigen Teilnetzen, und jedes dieser Teilnetze ist ein Autonomes System mit eigener Identität. Jedes AS hat festgelegte Grenzen (bestimmte IP-Adressbereiche) und interne Regeln, wie Daten innerhalb des AS weitergeleitet werden. Damit diese vielen Autonomen Systeme zu einem globalen Internet verbunden werden können, brauchen wir ein System, um sie voneinander zu unterscheiden und den Verkehr zwischen ihnen zu regeln – hier kommen ASNs ins Spiel. Jedes AS erhält eine eindeutige Nummer (ASN), und mithilfe dieser Nummern koordinieren sich die Systeme, wenn es darum geht, Daten von einem Netz ins andere zu schicken.

Was genau ist eine ASN (Autonomous System Number)?

Eine Autonomous System Number (ASN) ist also diese eindeutige Kennziffer für ein Autonomes System. Sie wird weltweit nur einmal vergeben und dient als Kennung des Netzes gegenüber anderen Netzen. Man schreibt ASNs oft in der Form „AS“, z.B. AS3320 für die Deutsche Telekom oder AS16509 für Amazon Web Services.

Ursprünglich waren ASNs 16 Bit lang, wodurch es maximal etwa 65.000 mögliche Nummern gab (0 bis 65535). Als das Internet wuchs, wurde dieser Vorrat knapp. Heute sind ASNs auf 32 Bit erweitert, was eine riesige Menge an Nummern erlaubt (theoretisch über vier Milliarden). Obwohl es so viele Möglichkeiten gibt, sind tatsächlich „nur“ einige Zehntausend ASNs in Gebrauch, entsprechend der Anzahl relevanter großer Netzwerke weltweit.

Die Vergabe von ASNs wird von regionalen Internet-Registries (RIRs) organisiert – in Europa ist z.B. das RIPE NCC zuständig, in Nordamerika die ARIN, für Asien-Pazifik die APNIC usw. Diese Stellen verwalten auch IP-Adressbereiche und weisen ASNs an Internetanbieter, Unternehmen oder Organisationen zu, die eines brauchen. Um ein eigenes ASN zu erhalten, muss man in der Regel ein echtes Bedürfnis nach einem eigenständigen Routing im Internet haben (z.B. ein ISP sein oder ein Unternehmen, das sich an mehrere Netzbetreiber gleichzeitig anbindet). Daher sind die meisten ASN-Inhaber Internetprovider, Telekom-Firmen, Cloud-Anbieter und so weiter – aber theoretisch kann auch ein kleineres Unternehmen oder Verein ein ASN bekommen, wenn es die technischen Kriterien erfüllt.

Wie helfen ASNs beim Routing im Internet?

ASNs spielen eine Schlüsselrolle beim Routing, also bei der Wegfindung für Datenpakete im Internet. Das Internet funktioniert nach dem Prinzip, dass Daten von Router zu Router wandern, bis sie zum Ziel gelangen. Damit Router in einem Netz wissen, wie sie ein Paket ins nächste Netz weiterleiten sollen, gibt es das Protokoll BGP (Border Gateway Protocol). BGP ist sozusagen das Adressbuch und Navigationssystem zwischen den Autonomen Systemen. In diesem Protokoll werden ASNs verwendet, um Pfade aufzubauen und bekannt zu geben.

Ad‑hoc-Mehrhopf-Netzwerkdiagramm mit weiterleitenden Knoten.

Stellen Sie sich vor, Sie senden einen Brief von Deutschland nach Australien. Der Brief wird zunächst im deutschen Postnetz befördert, dann vielleicht über ein internationales Drehkreuz, dann ins australische Postnetz und dort schließlich zum Empfänger. Um das zu ermöglichen, müssen entlang des Weges „Wegweiser“ existieren: Länderkennungen, Flughafencodes, Postleitzahlen etc. Im Internet übernehmen BGP und ASNs eine vergleichbare Funktion. Jedes Mal, wenn ein Datenpaket von einem AS ins nächste wechselt, fügt BGP Informationen hinzu, in welchen Autonomen Systemen es schon war oder wohin es als nächstes soll.

Ein Beispiel: Angenommen, Ihr Computer zuhause ist mit dem Internet über AS6805 (Telefonica Deutschland/o2) verbunden, und Sie greifen auf einen Server zu, der im Netz AS15169 (Google) steht. Ihr Router schickt das Paket an o2. Die Router bei o2 schauen auf die Ziel-IP und sehen (über BGP), dass diese IP zu Google gehört (AS15169). Ihre o2-Verbindung hat aber keine direkte Leitung zu Google, also leiten sie das Paket vielleicht zuerst an AS1299 (Arelion/Telia) weiter, einen großen Netzbetreiber, zu dem o2 eine Verbindung hat. Telia wiederum weiß aus seinen BGP-Routen, wie man Google erreicht – vielleicht direkt, oder über einen weiteren Zwischenstopp wie AS3356 (Level 3). Schließlich landet das Paket im Google-Netz (AS15169) und findet dort den richtigen Server.

Woran haben die Router erkannt, wo es langgeht? An den ASNs auf dem Weg. BGP teilt grob mit: „Um AS15169 (Google) zu erreichen, kenne ich einen Pfad: zuerst zu AS1299, dann zu AS3356, dann zu AS15169.“ Jede Übergabe von einem Netz ins nächste wird durch ASNs markiert und ermöglicht so, dass Schleifen vermieden werden und alle wissen, wie weit der Weg noch ist.

Zusammengefasst: ASNs fungieren als Etiketten, die den Datenverkehr durch das Internet lotsen. Ohne ASNs wüsste ein Router nicht, welchem externen Netz ein bestimmtes IP-Ziel angehört – er müsste tausende einzelne IPs kennen. Mit ASN kann er Adressbereiche bündeln („alles was zu ASN X gehört, geht über Nachbar Y“). Sie sind ein Grund dafür, dass das Internet trotz seiner Größe funktionieren kann.

Warum sollte man sich für die ASN einer IP interessieren?

Für den Otto-Normal-Verbraucher ist die ASN einer IP-Adresse im Alltag meist egal. Sie surfen, streamen und mailen, ohne je das Wort ASN zu hören. Allerdings gibt es einige Anwendungen und Situationen, in denen diese Information nützlich sein kann:

  • Herkunft einer IP besser einschätzen: Wenn Sie eine IP-Adresse sehen (z.B. in Ihren Webserver-Logs, in einem E-Mail-Header oder einem Analysetool), kann die ASN Ihnen verraten, aus welchem Umfeld diese IP stammt. Handelt es sich um eine normale DSL/Kabel-Verbindung eines Privathaushalts (erkennbar an einem ASN eines großen ISP wie Deutsche Telekom, Vodafone, etc.)? Oder stammt die IP aus einem Rechenzentrum (ASN von Hetzner, AWS, Azure, etc.)? Zum Beispiel: IP 5.6.7.8 hat ASN 24940, nachschlagen ergibt „Hetzner Online GmbH“ – Sie wissen dann, das ist höchstwahrscheinlich ein Server, kein Heimanschluss. Solche Infos sind wertvoll, wenn Sie z.B. verdächtigen Traffic beurteilen: kommt der potenzielle Angreifer aus einem bekannten Hosting-Provider-Netz (also eher ein Bot) oder aus einem normalen Endkundennetz (vielleicht ein infizierter Heim-PC)?
  • Sicherheits- und Zugriffsverwaltung: In der Netzwerksicherheit kann ASN-Wissen helfen, Entscheidungen zu treffen. Manche Unternehmen blockieren bewusst Zugriffe von bestimmten ASN, die fast ausschließlich mit bösartigem Verhalten in Verbindung stehen (z.B. bekannte Spam-Hoster). Oder sie lassen nur bestimmte ASN zu, wenn sie wissen, dass ihre Kunden nur aus bestimmten Netzen kommen (Vorsicht: so etwas muss gut überlegt sein, um keine legitimen Nutzer auszusperren). Ein Beispiel: Stellen Sie fest, dass viele Login-Versuche auf Ihrer Website aus ASN kommen, die zu anonymen Proxy/VPN-Diensten gehören, könnten Sie gezielt strengere Regeln für diese Verbindungen setzen. Umgekehrt, wenn Sie sehen, dass ein wichtiger Partner stets aus demselben ASN zugreift, könnten Sie diesen Traffic bevorzugt behandeln.
  • Netzwerk-Troubleshooting: Für technisch Interessierte oder Administratoren kann die ASN bei der Fehlersuche helfen. Angenommen, Benutzer aus einem bestimmten Land können nicht auf Ihre Dienste zugreifen. Mit Traceroute erkennen Sie vielleicht, dass die Verbindung stets bei einem bestimmten ASN hängenbleibt – möglicherweise ein internationales Gateway oder ein unterseeisches Kabel, das von diesem Netz betrieben wird. Dann wissen Sie, wo der Schuh drückt (z.B. „das Problem liegt bei ASXXXX, einem großen Carrier“). Auch bei Routing-Schleifen oder Ankündigungsfehlern (Stichwort BGP-Lecks) hilft ASN-Kenntnis: oft liest man in Technik-Nachrichten „ASN 12345 hat fälschlich Routen annonciert und dadurch Traffic umgeleitet“ – hier wissen Experten genau, wer gemeint ist. Sie als Anwender müssen das nicht detailliert verstehen, aber es zeigt, welche Rolle ASNs spielen.
  • Neugier und Verständnis: Man kann es auch schlicht interessant finden! Das Internet wirkt manchmal abstrakt, aber über ASN erfährt man konkret, welche Unternehmen und Organisationen den Verkehr tragen. Sie könnten zum Beispiel in Erfahrung bringen, dass ein Großteil des deutschen Internetverkehrs über nur eine Handvoll ASN läuft. Oder Sie entdecken, dass Ihr Lieblingsspieleserver zwar eine deutsche IP hat, aber zu einem ASN eines US-Cloudanbieters gehört – das erklärt dann vielleicht Latenzen. Sich ein bisschen mit ASN zu beschäftigen, kann das Verständnis der Internet-Infrastruktur vertiefen. Wer ein bisschen Hintergrundwissen hat, erkennt: hinter jeder Verbindung steckt ein Netzbetreiber, und ASN sind quasi deren Kennzeichen.

Kurz gesagt: ASN liefern Kontext. Für sich genommen mag es einem Endnutzer egal sein, welche Nummer sein Netz hat. Aber in professionellen oder analytischen Szenarien sind sie Teil des Puzzles, um das große Bild zu erkennen – sei es in der IT-Sicherheit, im Kundensupport (“Das Problem betrifft offenbar alle Nutzer im ASN XY”), im Peering- und Routing-Management zwischen Internetfirmen, und so weiter.

Häufige Missverständnisse über ASN

Da ASN nicht jedem geläufig sind, kursieren gelegentlich falsche Vorstellungen darüber. Hier klären wir einige auf:

  • „Über die ASN kann man Nutzer lokalisieren oder identifizieren.“ – Nein, das geht so nicht. Die ASN gibt, wie beschrieben, an, welchem Netz und Betreiber eine IP angehört. Zwar sind Netz und geographische Region oft verknüpft (z.B. gehört ASN 6805 zu Telefonica/o2, und die haben vorwiegend Kunden in Deutschland), aber das ist immer noch ein breiter Rahmen. Innerhalb Deutschlands kann die IP überall sein, und es ist weiterhin nur der Anschluss-Anbieter bekannt, nicht die Person. Es stimmt, dass bestimmte ASN nur in bestimmten Ländern aktiv sind, man kann also grob das Land abschätzen. Aber exakte Position oder gar Namen erfährt man nicht. Dafür bräuchte man behördliche Befugnisse und Daten vom Anbieter selbst, was hier völlig außen vor ist. ASN sind also keine Privatdaten, sondern Infrastrukturinfos.
  • „Jede IP-Adresse hat ihre eigene ASN.“ – Falsch. Wie bereits erklärt, teilen sich viele IP-Adressen ein- und dieselbe ASN. Alle Kunden eines Providers sind unter der ASN dieses Providers vereint. ASN sind eine Ebene höher angesiedelt als IP-Adressen. Es gibt knapp 70.000 ASN aktiv (Stand der letzten Jahre), aber Milliarden von IP-Adressen – klar, die meisten IPs gehören also zu gemeinsam genutzten ASN. Wenn zwei IP-Adressen dieselbe ASN haben, kommen sie aus dem selben Netzwerk (z.B. beide von Vodafone-Kabel, oder beide von Amazon AWS). Umgekehrt kann ein großer Konzern mehrere ASN haben, wenn er verschiedene Netzwerkteile separat routet (aber das sind Feinheiten). Wichtig ist: eine einzelne IP sagt erst mal nichts über “ihre” ASN, man muss sie nachschlagen. Und man bekommt dann den Betreibername.
  • „Nur große Telekommunikationsunternehmen oder Tech-Riesen besitzen ASN.“ – Überwiegend, aber nicht ausschließlich. Die bekannten Namen (Deutsche Telekom, AT&T, Google, etc.) haben natürlich ASN, oft sogar mehrere, und transportieren riesige Datenmengen. Aber auch kleinere Firmen oder Einrichtungen können ASN haben. Beispielsweise hat das Wissenschaftsnetz X-WiN (DFN) in Deutschland ein eigenes ASN, viele Universitäten sind darunter angeschlossen. Manche Städte oder Gemeinden haben regionale Netze und damit eigene ASN. Es gibt auch private ASN (64512–65534 im 16-Bit-Bereich und bestimmte im 32-Bit-Bereich), die intern genutzt werden und nicht global eindeutig sein müssen – die tauchen in unserer Betrachtung aber nicht auf, da sie nicht im Internet-Routing sichtbar sind. Dennoch: Der allergrößte Teil des öffentlichen Internetverkehrs geht über die ASN der großen Player, daher nimmt man schnell an “ASN = großer Provider”. Aber behind the scenes gibt es eine lange „Tail“ von kleineren ASN. Für einen Außenstehenden tauchen die meist nicht auf, weil z.B. der Traffic einer kleinen Firma doch über einen größeren Upstream ins Internet geht (dann sieht man oft nur den Upstream-ASN).
  • „Die ASN sagt etwas über die Qualität oder Sicherheit des Netzes aus.“ – Nur indirekt. Es stimmt, einige ASN haben einen Ruf – z.B. bestimmte Hosting-ASN sind bekannt dafür, dass dort viele Spam-Versender sitzen, weil deren Betreiber nicht rigoros dagegen vorgehen. Oder umgekehrt, ein ASN eines renommierten Telkos steht vielleicht für gut ausgebautes Netz und zuverlässigen Dienst. Aber an der Nummer selbst kann man das nicht festmachen, das ist eher Erfahrungssache und Kontext. Die ASN ist neutral erst mal – sie identifiziert nur. Man muss sie mit Listen oder Wissen anreichern, um z.B. zu sagen „Oh, ASN Soundso, da müssen wir aufpassen“. Das passiert in komplexen Sicherheitssystemen: Es gibt z.B. IP-Reputation-Dienste, die pflegen Profile von ASN (wie viel böswilliger Traffic kommt daher, etc.). Für den normalen Nutzer reicht es zu wissen, ASN einer IP = dieser Betreiber, und vielleicht hat man vom Hörensagen einen Eindruck (etwa „Tor-Exit-Knoten werden als böse gesehen und haben oft ASN von kleineren osteuropäischen Providern“ – das ist sehr pauschal, aber möglich). Doch man sollte nicht dem Trugschluss erliegen, eine IP sei sicher oder unsicher bloß wegen ihrer ASN. Immer mehrere Faktoren betrachten.

Grenzen und Hinweis zum Umgang mit ASN-Informationen

Abschließend noch einige Aspekte, worauf man achten sollte, wenn man mit ASN-Daten hantiert:

  • Grobe Zuordnung, keine Detailgenauigkeit: Die ASN allein liefert, wie betont, keine feingranularen Informationen. Sie ist super, um “das große Netz dahinter” zu erkennen, aber nicht um Feinschlüsse zu ziehen. Wenn Sie z.B. einen bestimmten Nutzer tracken wollten (im legitimen Sinne, z.B. zur Betrugsprävention), würde die ASN Ihnen höchstens sagen: Dieselbe Person nutzt jetzt ein anderes Netz als sonst (anderer ASN, also vielleicht im Urlaub oder über VPN). Das kann ein Hinweis sein, aber kein Beweis. Ähnlich bei Geo-Themen: ASN können Ländergrenzen überschreiten (manche Provider in Europa decken mehrere Nachbarländer ab mit einer Nummer) oder innerhalb eines Landes weit verstreut sein. Für genaue Ortsbestimmung taugen sie nicht. Hierfür immer Geolokationsdienste verwenden.
  • Dynamische Netzstruktur: Die Zugehörigkeit einer IP zu einem ASN kann sich ändern, wenn IP-Adressbereiche von einem Netzwerk ins andere wechseln. Dies passiert etwa bei Firmenübernahmen, Neustrukturierungen oder wenn ein kleiner Provider seine Adressen an einen größeren zurückgibt. Die BGP-Routingtabelle spiegelt solche Änderungen in Echtzeit wider – was Sie in Tools sehen, sollte aktuell sein. Aber theoretisch könnte eine Datenbank, die nicht live ist, mal hinterherhinken. In der Praxis haben aber die gängigen Abfragedienste (wie unser Tool) sehr aktuelle Daten. Trotzdem der Hinweis: Ein ASN-Suchergebnis ist eine Momentaufnahme. Gerade bei IPv4 werden Adressblöcke gehandelt, und so kann eine IP dieses Jahr noch zu ASN X gehören und nächstes Jahr zu ASN Y.
  • ASN als Filter einsetzen: Wir hatten diese Idee – z.B. in Firewalls. Es ist technisch möglich, Traffic nach ASN zu erlauben oder zu blockieren. Das wird in speziellen Fällen gemacht (DDoS-Abwehr, Geoblocking, etc.). Wenn Sie so etwas tun, bedenken Sie bitte immer die Implikationen: Sie treffen damit ganze Netzpopulationen. Ein Block auf ASN-Ebene ist sehr grob. Er kann sehr effektiv sein (z.B. blockiere ich ASN eines bekannten Botnetz-Hosters und bin die meisten Bots los), aber genauso gut Kollateralschäden verursachen (es erwischt vielleicht auch harmlose Kunden, die dort hosten). Und man kann ASN fälschen oder umgehen, indem Traffic woanders langgeleitet wird, also es ist kein Allheilmittel. Überlegen Sie also genau, ob Sie anhand einer ASN eine kritische Entscheidung treffen (bspw. Zahlungen ablehnen, Anmeldung verweigern etc.). Immer nach dem Prinzip: ASN-Info kann die Risiko-Bewertung beeinflussen, aber sollte selten allein ausschlaggebend sein.
  • Offene Daten, trotzdem Verantwortung: ASN-Daten sind öffentlich und ihr Abruf verstößt gegen keine Regeln. Aber wie bei vielen technischen Daten, kann ihre Verwendung sensibilitäten haben. Ein Beispiel: Sie könnten aus ASN auf Länder schließen und dann z.B. alle Nicht-EU-ASN blockieren. Das wäre Ihre Entscheidung, aber es könnte als Diskriminierung aufgefasst werden, wenn es keinen legitimen Grund gibt (z.B. reine Kunden von außerhalb auszusperren). Oder wenn ein Nutzer Sie fragt “Warum wurde ich blockiert?”, und es liegt nur an seinem Netz, sollten Sie das erklären können (“Ihr Zugriff kam über ein Netz, das bekannt für Missbrauch ist, wir mussten es daher leider sperren.”). Die meisten legitimen Nutzer werden nie mit ASN-Problemen in Berührung kommen, aber man sollte einfach fair bleiben: ASN-Nutzung sollte dem Ziel dienen, die Qualität und Sicherheit zu erhöhen, nicht unbemerkt Barrieren aufzubauen.

Disclaimer: Die von uns bereitgestellten ASN-Informationen stammen aus verlässlichen Quellen (z.B. RIR-Datenbanken, BGP-Feeds). Wir bemühen uns um höchste Genauigkeit und Aktualität. Dennoch können wir nicht garantieren, dass jedes Detail jederzeit korrekt ist. Insbesondere übernehmen wir keine Haftung, falls aus der Nutzung dieser Informationen Nachteile entstehen. ASN-Daten alleine sollten nie als alleinige Entscheidungsgrundlage in kritischen Situationen dienen – sie sind ein Hilfsmittel. Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen oder offiziellen Angelegenheiten sollte immer eine fachliche Prüfung erfolgen. Dieser Artikel dient dem Verständnis und der allgemeinen Information.

Fazit

Autonomous System Numbers (ASN) sind ein Kernbestandteil der Internet-Infrastruktur, auch wenn die meisten Menschen nie direkt damit zu tun haben. Im Alltag brauchen Sie sich um ASN keine Gedanken zu machen – Ihr Computer und die Netzwerke regeln das im Hintergrund. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Dank ASN und BGP kann das Internet, trotz tausender unabhängiger Netzbetreiber, als ein zusammenhängendes Netz funktionieren.

Wer technisch interessiert ist, kann aus ASN-Angaben viel lernen – zum Beispiel, welche Wege Daten nehmen, welchen Providern sie begegnen, oder wie man potenziell riskante Verbindungen erkennen kann. Für Netzbetreiber und Sicherheitsleute sind ASN ohnehin tägliches Handwerkszeug.

Kurz gesagt, eine ASN ist wie das Nummernschild eines Netzwerks im großen „Internet-Verkehr“. Es verrät Ihnen nicht den Fahrer (den Nutzer), aber es verrät Ihnen den Betreiber des Fahrzeugs (das Netz). Mit diesem Wissen im Hinterkopf werden Ihnen Begriffe wie „Autonomes System“ oder „BGP-Routing“ vielleicht verständlicher vorkommen. Und wenn Sie das nächste Mal Ihre IP-Adresse nachschlagen und eine ASN sehen, wissen Sie, dass dieser unscheinbare Code ein zentraler Baustein ist, der Ihr Gerät mit dem Rest der Welt verbindet.

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